Sozialminister Hundstorfer begutachtet Blinden-Tablet

Davon wollte sich Sozialminister Rudolf Hundstorfer selbst einen Eindruck verschaffen: Das gemeinnützige IT-Systemhaus AfB plant, einen Tablet-Computer für Blinde anzubieten.

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Sozialminister Hundstorfer, Wolfgang Kremser von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs und Kurt Essler, Geschäftsführer von AfB, engagieren sich für das Projekt “Blitab”.

Sozialminister Hundstorfer, Wolfgang Kremser von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs und Kurt Essler, Geschäftsführer von AfB, engagieren sich für das Projekt “Blitab”.

© Hetzmannseder

Am 17. Dezember besuchte Sozialminister Hundstorfer eine Computerfirma der anderen Art: Das gemeinnützige Unternehmen AfB verfolgt das Ziel, möglichst viele Arbeitsplätze für Behinderte schaffen. An zwei Standorten in Wien kümmern sich Mitarbeiter mit und ohne Behinderung gemeinsam darum, gebrauchte PCs wieder herzurichten und zu verkaufen.

“AfB zeigt vor, wie man Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen in die Arbeitswelt integrieren und ihnen eine sinnvolle Aufgabe geben kann”, erklärt Hundstorfer. “Diese Initiative verbindet eine solide wirtschaftliche Basis mit sozialem Bewusstsein.” Das Unternehmen beschäftigt in Österreich derzeit 35 Mitarbeiter, davon 20 mit einer Behinderung.

Künftig könnten Behinderte auch zu den Kunden gehören: Die AfB plant, ein neuartiges Tablet für Blinde in ihr Angebot aufzunehmen. Das Modell “Blitab” verfügt über eine Bildschirm-Oberfläche, die kleine Bläschen erzeugen und wieder verschwinden lassen kann. Diese Bläschen dienen als Punkte für Braille-Schrift, ein Blinder kann sie ertasten. So wird der Bildschirm-Inhalt in Blindenschrift dargestellt.

Die Idee stammt von dem Startup-Unternehmen Blitab Technology in Wien, das bei der Entwicklung eng mit der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs zusammenarbeitet. Das Modell Blitab existiert vorerst als Prototyp. Sobald ein Investor einsteigt, kann die Herstellung beginnen. AfB könnte das Blitab dann per Leasing preiswert anbieten. Das Gerät wäre damit versichert und im Notfall würde AfB für eine rasche Reparatur oder einen Austausch sorgen.

“Technologie kann Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen des Lebens helfen, aber dazu muss sie auch erschwinglich sein”, meint Hundstorfer. “Ich würde es begrüßen, wenn das Tablet für Blinde bald Wirklichkeit wird und zu niedrigen Kosten zu bekommen ist.”

AfB-Geschäftsführer Kurt Essler freut sich über die Anerkennung: “Wir danken Herrn Minister Hundstorfer für sein Interesse und Engagement. Wenn Blitab gut angenommen wird, können wir weitere behinderte Mitarbeiter beschäftigen und zugleich etwas für Menschen mit einer Sehbehinderung tun. Sozusagen mit Behinderten für Behinderte.”

KOOPERATION FÜR GUTEN ZWECK
Die Haupttätigkeit von AfB besteht in der Aufbereitung von gebrauchten Computern und Peripherie-Geräten. Unternehmen, die ihre Altgeräte entsorgen wollen, überlassen sie AfB. Dort werden die Daten professionell gelöscht, die Geräte werden getestet, repariert und verkauft. Mit den Erlösen aus dem Verkauf finanziert AfB die Arbeitsplätze.

AfB arbeitet dabei eng mit Reintegra zusammen, einer gemeinnützigen Gesellschaft der Stadt Wien zur beruflichen Reintegration psychisch kranker Menschen. “Die Zahl an psychisch kranken Menschen wächst, denken wir nur an Burn-out, damit steigen auch die Anforderungen an Reintegra und an uns”, gibt Essler zu Bedenken. “Wir werden in Zukunft noch mehr Unterstützung von Unternehmen brauchen, um diese Herausforderungen zu meistern.”

AfB unterstützt selbst aber auch andere soziale Initiativen. So besteht seit Kurzem eine Partnerschaft mit Stifter-helfen.at, einer Plattform, wo gemeinnützige Organisationen IT günstiger beziehen können.

Die Idee für einen gemeinnützigen Computer-Betrieb stammt aus Deutschland, geriet aber auch in Österreich zu einem Erfolg. AfB begann 2010 mit einer Niederlassung in Wien-Liesing und eröffnete Ende 2013 ein zweites Geschäft in der Ottakringer Straße. (pi)

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